Letmathe. Das Marienhospital mit seinen rd. 100 Betten wurde bereits im November 2019 geschlossen. Für viele Menschen in Letmathe war das ein schmerzhafter Einschnitt – das Krankenhaus war jahrzehntelang fester Bestandteil der lokalen Identität. Seither liegt das rd. 12.000 m² große Grundstück brach. Zukünftig soll ein lebendiges Quartier mit bezahlbarem Wohnraum und sozialen Ange-boten – eingebettet in ein gewachsenes städtisches Umfeld, in unmittelbarer Nähe zur Letmather Innenstadt und mit guter verkehrlicher Anbindung entstehen. Nach der geplanten Rückübertragung der Grundstücke durch die Märkischen Kliniken an die katholische Kirchengemeinde St. Kilian soll das Areal an die STADTprojekt Iserlohn GmbH weiterveräußert werden. Seit Frühjahr 2024 verhandeln die Akteure über die vertraglichen Details. Verzögerungen gab es unter anderem aufgrund der Frage, ob die im Marienhospital befindliche Dialyseeinrichtung der Märkische Dialysezentren GmbH weiterbetrieben werden soll. Darüber hinaus musste sichergestellt werden, dass das benachbarte Märkische Seniorenzentrum zukünftig autark mit Heizenergie versorgt wird. Bislang wurde das Seniorenzentrum über eine Heizzentrale aus dem alten Marienkrankenhaus versorgt. Beide Punkte wurden zwischenzeitlich von den Märkischen Kliniken geklärt.
Das Marienhospital war ein fester Bestandteil unseres Stadtteils“, betont Matthias Faßmann, langjähriger Pflegedienst- und Verwaltungsleiter des Hauses sowie heutiges Mitglied des Kirchenvorstands. Der Wunsch, den Ort angesichts der stark alternden Bevölkerung und des angespannten Wohnungsmarkts in Letmathe sinnvoll weiterzuentwickeln, sei von Beginn an innerhalb der Kirchengemeinde vorhanden gewesen, so das Kirchenvorstandsmitglied Michael Brieden. Gemeinsam mit Matthias Faßmann und Jürgen Schauerte engagiert sich Brieden ehrenamtlich – und traf früh die Entscheidung, einen starken Partner zu suchen, der sowohl regional verwurzelt als auch professionell aufgestellt ist. Die Wahl fiel auf die STADTprojekt Iserlohn GmbH, die sich seit über 25 Jahren erfolgreich mit zukunftsorientierter Quartiersentwicklung in der Region befasst. „Wir wollten jemanden, der unsere Idee versteht und Verantwortung übernimmt“, betont Faßmann. „Die Zusammenarbeit mit der STADTprojekt ist genau das, was wir brauchten und sie gibt uns die Sicherheit, dass dieses besondere Stück Letmathe mit Respekt und Verantwortung entwickelt wird“, ergänzt Schauerte.
Derzeit laufen die finalen vertraglichen Abstimmungen zwischen Kirchengemeinde, Märkischen Kliniken und der STADTprojekt über die rechtlichen, planerischen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Vorhabens. Parallel werden vorbereitende Planungsleistungen für das Bebauungsplan-verfahren und die notwendige Baugenehmigung und Grundstücksteilung koordiniert. Wenn die aktuellen Abstimmungen planmäßig verlaufen, soll das Bebauungsplanverfahren Ende 2025 weitergeführt werden. Der Rückbau des ehemaligen Krankenhauses wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 beginnen. In den nächsten Monaten soll die 1967 geweihte Kapelle, entworfen vom Architekten Otto Weicken aus Unna, profaniert und somit die sakrale Nutzung aufgegeben werden. Der Sat-zungsbeschluss für den Bebauungsplan durch den Rat der Stadt Iserlohn wird für Herbst 2026 ange-strebt. Im Anschluss beginnt die STADTprojekt mit der Erschließung des Geländes. Erste Hochbaumaßnahmen könnten ab 2027/2028 starten – darunter auch ein geplantes Gesundheitszentrum an der Dechant-Meckel-Straße, für das derzeit ein Investitionspartner gesucht wird.
Parallel zur baulichen Planung soll nun ein Projektbeirat eingerichtet werden. Dieses Gremium soll mit Vertreterinnen und Vertretern von Vereinen, Kirche und Politik aus Letmathe besetzt werden und insbesondere Empfehlungen zur Erinnerungskultur sowie zu gestalterischen Fragen geben.
„Das Marienhospital war für viele Menschen ein Ort persönlicher Erlebnisse – von Geburt über Heilung bis hin zum Abschied“, sagt Michael Schmitt, Geschäftsführer der STADTprojekt. „Dieses emotionale Erbe wollen wir ernst nehmen und ins neue Quartier überführen.“
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Glockenturm, der sich heute noch im Innenhof des ehemaligen Marienhospitals befindet. Die darin hängende Glocke stammt aus der früheren Krankenhauskapelle und wird bis heute täglich mittags geläutet. In einem ökumenischen Gottesdienst wurde sie im Jahr 2007 zur „Friedensglocke“ geweiht. Das kleine Marienhäuschen, das sich als sakraler Erinnerungsort im Innenhof des ehemaligen Marienhospitals befindet, ist vielen Letmathern bekannt. Auch nach der Krankenhaus-Schließung wurde es regelmäßig besucht. Es soll – ebenso wie die Glocke – als sichtbares Zeichen der Kontinuität in die neue Quartiersgestaltung einbezogen werden. Auch der originale Schriftzug „Marienkrankenhaus“, der sich am Altbau befand und jetzt vom Heimatverein abgebaut und gesichert wurde, hat für viele einen identitätsstiftenden Wert. Die STADTprojekt prüft derzeit, in welcher Form dieser erhalten, integriert oder als künstlerisches Zitat neu interpretiert werden kann – etwa als Teil einer geplanten öffentlichen Grünfläche.
Die STADTprojekt sieht das MarienQuartier als Projekt mit langfristiger Perspektive. „Ein Quartier dieser Größenordnung entsteht nicht über Nacht. Aber wir wollen es von Anfang an gemeinsam mit den Letmather Bürgerinnen und Bürger gestalten – mit Rücksicht auf die Vergangenheit und mit Verantwortung für die Zukunft“, so Michael Schmitt.